Weiterdenken mit den Joblingen

December 13, 2018

 

Seit 10 Jahren macht das Projekt Joblinge in Deutschland an unzähligen Standorten vor, wie man Jugendliche in Ausbildung und Beruf bringt. Die Erfolgszahlen sind eindrücklich, wirklich spannend sind aber die unorthodoxen sozialunternehmerischen Methoden, die angewendet werden.

Zum 10 Jahresjubiläum ist ein Thesenpapier erschienen, das die 10 Kernthesen der Joblinge-Methodik umreisst.

Hier eine Kurzzusammenfassung der Thesen, die uns aus der Seele sprechen. 

1. Unternehmen statt unterrichten

Wer schulmüde und sozial benachteiligt ist, lernt in einem Betrieb, also im Unternehmen mehr als in der Schule. Darum setzt Joblinge auf praktisches Erarbeiten, emotionales Erleben und darauf, die eigenen Grenzen schrittweise zu überwinden und zu erweitern.

Lernen muss keinen Spass machen, aber es muss vermittelt werden, worauf es ankommt. Werte, Dresscode, Art des Umgangs, technische Fertigkeiten, etc. 

2. Hürden statt Hilfe

Ein niederschwelliges Angebot bereitet die Jugendlichen schlecht auf die Realität vor, denn diese ist nicht niederschwellig. Training im Überwinden bringt die Jugendlichen weiter als noch so gut gemeinte Hilfestellungen. Erfolge wollen erarbeitet werden, Feedback und Kritik will angenommen und umgesetzt werden. Dadurch wächst die Eigenverantwortung. Darum setzten die Joblinge auf Trainings mit Hürden und nicht auf zu viele Hilfestellungen.

3. Ballett statt boxen

Wenn Jugendliche darauf vorbereitet werden sollen, wo sie hinwollen, dann müssen sie ihre Komfortzone verlassen. Arbeitsintegration muss beim Ziel ansetzen und nicht beim Ausgangspunkt. Sich in einer fremden Umgebung orientieren können und dabei alle Sinne einsetzen, bringt die Jugendlichen weiter, als sich in einem dunklen Keller durchzuboxen. 

4. Partnerschaft statt Charity

Hier geht es um Verbindlichkeit, um Gleichberechtigung, um Pflichten und darum, gemeinsam neue Wege zu finden, zu denen alle Beteiligten einen Beitrag leisten müssen. 

5. Zielorientiert statt uferlos

Sich auf klare Ziele und Lösungen und nicht auf Probleme zu fokussieren ist ein Erfolgsrezept, das auch das Mentoring bei den Joblingen bestimmt. 

6. Sich beweisen statt bewerben

Wer zeigen kann, was in ihm oder ihr steckt, soll den Job bekommen, egal, was im Lebenslauf oder in einem alten Arbeitszeugnis steht. So sehen Chancen aus. Nur packen muss man sie selbst. 

7. Gestalten statt verwalten

Das Sozialwesen ist überbürokratisch geworden, sozialunternehmerische Initiativen müssen da methodisch neue und andere Wege erproben. Joblinge machen da viel Gutes vor!

8. Impact statt Inputfinanzierung

Erfolge sollen Geld bringen. Institutionen sollen nicht für jeden Handgriff bezahlt werden, sondern für ihre Wirkung. Davon sind wir heute in der Schweiz noch meilenweit weg.

9. Transparenz statt Transzendenz

Die Kosten und die Wirkung von Arbeitsintegration lässt sich leicht messen, dabei gibt es kaum einen öffentlich mitfinanzierten Sektor, der so intransparent ist wie die Arbeitsintegration. Das kann man ändern.

10. Social Business statt Bildungsträger

Mit sozialunternehmerischen Ansätzen werden die Betroffenen zu aktiven Beteiligten gemacht, die Eigenverantwortung übernehmen sollen. Leistung muss auch finanziell honoriert werden. Hier geht es um eine bessere Setzung von Anreizen. 

 

Hier können die Thesen im Original heruntergeladen werden. Eine vertiefte Diskussion darüber lohnt sich!

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