Nicht immer nur Pizza...

February 11, 2020

Oft geschehen grosse Veränderungen, ohne dass wir sie bemerken. Das ist zum Beispiel in der Sozialhilfe im Moment der Fall. 

Die Sozialhilfequote ist mehr oder weniger stabil, in der Schweiz beträgt sie zur Zeit 3.3%. Das heisst rund drei von hundert Personen sind auf finanzielle Unterstützung durch die Kommune angewiesen um über die Runden zu kommen. 

Immer weniger Menschen zwischen 20 und 64 Jahren, die Sozialhilfe beziehen, arbeiten. Aktuell sind es noch 20%, Tendenz sinkend seit 2007. 

Wer nicht arbeitet, kann oft seine Arbeitsfähigkeit nicht erhalten. Dies führt dazu, dass die Sozialhilfe heute für immer mehr Menschen zur Endstation wird, zu einer Art faktischen Rente ohne Aussicht auf Arbeit. 

Damit fällt ein zentraler Faktor zur Integration in unserer Gesellschaft für immer mehr Menschen weg. 

Obwohl das Sozialwesen seit 2006 auch in der Schweiz massiv teurer geworden ist, sinkt die arbeitsintegrative Wirkung ihrer Angebote.

Dieser Umstand hat auch damit zu tun, dass sich der Arbeitsmarkt in den vergangenen zwanzig Jahren stark verändert hat.

Es gibt immer weniger Stellen für Menschen mit wenig Ausbildung und wenig Flexibilität.

Daran kann auch die beste Sozialpolitik nichts ändern.

Unverständlich ist jedoch, warum das Sozialwesen seine Angebotspalette nicht auf die veränderten Bedingungen neu ausrichtet. 

Die aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen rufen nach Innovation, doch dieser Ruf wird im Sozialbereich kaum gehört.

Klassische Beschäftigungsprogramme sind oft viel zu teurer, und werden darum von den Kommunen, die unter Spardruck stehen, immer seltener bewilligt. Interessanterweise sind innovativere Ansätze vor allem im Flüchtlingsbereich entstanden, die jedoch bis jetzt für andere Sozialhilfebeziehende nicht zugänglich sind. 

Sozialunternehmerische Arbeitsplätze, die für den Zuweiser praktisch kostenneutral sind und den Betroffenen Möglichkeiten bieten für unbefristete Arbeitsverhältnisse, in denen sie für ihre Sozialhilfekosten arbeiten können, sind immer noch viel zu selten.

Dabei wäre die Sache einfach.

Langzeitarbeitslose Menschen möchten gerne arbeiten. Es gibt ausserdem genügend geeignete Arbeiten für diese Zielgruppe. Es gibt auch immer noch viele Arbeiten, die saisonal anfallen, sie könnten für Teilleistungsfähige eine Chance sein, sind es aber heute noch nicht. 

Nur arbeitsfähige Menschen können arbeitsmarktfähig werden. 

Darum braucht es zielgruppenübergreifende Angebote, die den Menschen reelle Perspektiven geben, weil gesunde, arbeitsfähige Menschen zwischen 20 und 64 Jahren in einer chancengerechten Gesellschaft einfach nicht verrentet werden sollten.

 

 

 

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